Rundholzlogistik

Rundholzlogistik planen. Wie Schadholz schneller aus dem Wald ins Werk kommt

Wie Optimierung Schadholz priorisiert, Rundholzflüsse beschleunigt und Lkw, Bahn, Waldlager und Werke besser verbindet.

Schematisches Logistiknetz zwischen Waldlagern, Bahnverladung und Holzwerk

Die Rundholzversorgung ist das Fundament der gesamten Holzindustrie. Sägewerke, Plattenhersteller, Papier- und Zellstoffwerke und Biomasseanlagen hängen davon ab, dass zur richtigen Zeit die richtigen Sortimente in der richtigen Menge ankommen. In normalen Jahren ist das eine eingespielte Aufgabe. In Jahren mit großen Schadholzmengen wird es zur logistischen Herausforderung.

Genau das erlebt Österreich gerade. Laut dem Holzmarktbericht der Landwirtschaftskammer vom Juni 2026 kann vor allem in den Schadgebieten der Steiermark der Holzabtransport wegen Engpässen bei Frachtkapazitäten und Zufuhrbeschränkungen einzelner Sägewerke nicht mit der Aufarbeitung Schritt halten. In Niederösterreich gibt es noch Kontingentierungen in der Anlieferung. Gleichzeitig warnen die Experten wegen des anhaltenden Niederschlagsdefizits vor einer großen Borkenkäfergefahr. In diesem Beitrag zeigen wir, wie mathematische Optimierung helfen kann, den Weg vom Wald ins Werk schneller und günstiger zu machen.

Warum Rundholzlogistik so anspruchsvoll ist

Die Rundholzkette hat viele Beteiligte und viele Engpässe. Das Holz wird im Wald geschlägert und an Forststraßen zu Waldlagern gepoltert. Von dort holen Holztransporter mit Ladekran es ab und bringen es entweder direkt ins Werk oder zu einem Verladebahnhof, wo es auf die Bahn umgeschlagen wird. Im Werk wird es vermessen, sortiert und auf dem Rundholzplatz gelagert, bis es verarbeitet wird.

Jede dieser Stufen hat ihre eigenen Grenzen. Die Zahl der Holztransporter und Fahrer ist begrenzt. Forststraßen haben Gewichtsbeschränkungen und sind im Frühjahr bei Tauwetter oft gesperrt. Verladebahnhöfe haben begrenzte Gleislängen und Umschlagszeiten. Werke nehmen nur bestimmte Mengen pro Tag an, und ihr Rundholzplatz hat eine maximale Kapazität. Wenn an einer Stelle ein Engpass entsteht, staut sich das Holz davor.

Schadholz hat eine Uhr

Bei Schadholz kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu. Holz, das nach Sturm oder Borkenkäferbefall im Wald liegt, verliert mit der Zeit an Wert. Bläuepilze verfärben das Holz, Insekten dringen tiefer ein, und aus Sägeholz wird Industrieholz oder Energieholz. Gleichzeitig bietet liegendes Holz dem Borkenkäfer neuen Brutraum und gefährdet die umliegenden Bestände. Wer Schadholz schnell abführt, schützt also nicht nur den Wert des Holzes, sondern auch den Wald.

Für die Planung bedeutet das, dass nicht alle Waldlager gleich dringend sind. Ein Lager mit frisch befallenem Fichtenholz in einem gefährdeten Gebiet hat Vorrang vor einem Lager mit gesundem Holz, das noch Wochen liegen kann. Ein Planungsmodell kann diese Dringlichkeit bewerten und in die Abfuhrplanung einbeziehen, indem es den erwarteten Wertverlust und das Befallsrisiko je Lager berücksichtigt.

Die Abfuhr als Optimierungsproblem

Die tägliche Abfuhrplanung ist eine Variante der Tourenplanung mit besonderen Regeln. Jeder Holztransporter fährt von einem Waldlager zu einem Werk oder Verladebahnhof, entlädt und fährt zum nächsten Lager. Die Frage ist, welcher Lkw welches Lager anfährt, wohin er das Holz bringt und in welcher Reihenfolge.

Ein Optimierungsmodell berücksichtigt dabei die Dringlichkeit der Lager, die Annahmekontingente der Werke, die Fahrzeiten auf Forst- und Landesstraßen, die Arbeitszeiten der Fahrer und die Frage, welches Sortiment in welches Werk gehört. Es sucht Touren, bei denen möglichst wenig leer gefahren wird, etwa indem ein Lkw nach der Entladung im Werk ein nahe gelegenes Lager anfährt statt zurück in sein Heimatgebiet. Solche Verkettungen sind bei vielen Fahrzeugen und Lagern von Hand kaum zu überblicken. Mehr zu den Methoden auf unseren Seiten zur Graphentheorie und zu Metaheuristiken.

Das richtige Holz ins richtige Werk

Rundholz ist nicht gleich Rundholz. Aus einem Schlag kommen Sägerundholz verschiedener Stärkeklassen, Industrieholz für Platten und Papier und Energieholz. Jedes Sortiment hat seinen eigenen Abnehmer, seinen eigenen Preis und seine eigenen Anforderungen. Laut dem Holzmarktbericht vom Juni 2026 ist die Nachfrage der Papier- und Zellstoffindustrie nach Industrierundholz rege, während Sägerundholz wegen der schwachen Baukonjunktur und des Einbruchs der Exporte in den arabischen Raum verhaltener nachgefragt wird.

Ein Zuordnungsmodell kann für jede Menge berechnen, welcher Abnehmer unter Berücksichtigung von Preis, Transportweg, Kontingent und Qualität am besten passt. Für Forstbetriebe und Waldverbände, die für viele Waldbesitzer vermarkten, ist das eine wertvolle Entscheidungshilfe. Für Werke mit mehreren Standorten zeigt das Modell, welcher Standort welche Mengen aus welchem Einzugsgebiet beziehen sollte.

Bahn und Lkw kombinieren

Für längere Strecken ist die Bahn oft die günstigere und klimafreundlichere Wahl. Holzzüge bringen große Mengen aus den Schadgebieten zu weiter entfernten Werken, auch über Landesgrenzen hinweg. Die Bahn verlangt aber eine gute Abstimmung. Die Wagen müssen rechtzeitig am Verladebahnhof stehen, die Lkw müssen das Holz dorthin bringen, bevor der Zug abfährt, und am Zielbahnhof muss das Holz schnell entladen und ins Werk gebracht werden.

Ein Modell, das Lkw-Abfuhr und Bahnverladung gemeinsam plant, sorgt dafür, dass Züge voll werden und Lkw nicht am Bahnhof warten. Es kann auch berechnen, ab welcher Entfernung sich die Bahn lohnt und welcher Verladebahnhof für welches Einzugsgebiet am besten liegt. Wie wir Planung im Schienengüterverkehr angehen, zeigen unsere Beiträge zur Jahresplanung im Schienengüterverkehr und zur Leerwagendisposition.

Der Rundholzplatz als Puffer

Im Werk ist der Rundholzplatz der wichtigste Puffer zwischen schwankender Anlieferung und gleichmäßiger Produktion. Ist er zu leer, fehlt Holz für die Säge. Ist er zu voll, müssen Anlieferungen gestoppt werden, und im Wald bleibt das Holz liegen. Bei Schadholz kommt hinzu, dass Holz auf dem Platz ohne Beregnung ebenfalls an Qualität verliert.

Ein Planungsmodell kann Anlieferung, Lagerbestand und Einschnitt gemeinsam betrachten. Es zeigt, wie viel Holz in den nächsten Wochen angenommen werden kann, welche Sortimente zuerst verarbeitet werden sollten und wann sich eine Nasslagerung lohnt. So werden Kontingente nicht nach starren Regeln vergeben, sondern nach dem tatsächlichen Bedarf und der verfügbaren Kapazität. Wie die Produktion im Sägewerk selbst geplant wird, beschreiben wir im Beitrag zur Produktionsplanung im Sägewerk.

Daten nutzen, die ohnehin entstehen

Ab dem 30. Dezember 2026 gilt die EU-Entwaldungsverordnung für große Unternehmen, für kleine und Kleinstunternehmen ab Mitte 2027. Holz darf dann nur in Verkehr gebracht werden, wenn nachgewiesen ist, dass es entwaldungsfrei und legal erzeugt wurde. Dafür werden unter anderem Informationen zur Herkunft des Holzes erfasst. Der Fachverband der Holzindustrie hat die Verordnung deutlich kritisiert und betont, dass zusätzliche Nachweis- und Dokumentationspflichten bestehen bleiben.

Aus Sicht der Planung liegt in diesen Daten aber auch eine Chance. Wenn für jede Holzmenge ohnehin bekannt ist, woher sie kommt, lassen sich diese Informationen auch für die Abfuhrplanung nutzen. Waldlager, Mengen, Sortimente und Standorte werden digital verfügbar, und die Planung kann darauf aufsetzen. Wie wir Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen, zeigt unsere Seite zur Datenintegration.

Wie Hex bei der Rundholzlogistik unterstützt

Hex ist das Team für mathematische Optimierung in der Anexia Digital Engineering Group. Unsere Mathematikerinnen und Mathematiker bauen Planungsmodelle für komplexe Logistikketten, vom Bahnbetrieb bis zur Entsorgungswirtschaft. In einem Projekt zur Rundholzlogistik beginnen wir mit den vorhandenen Daten zu Waldlagern, Fahrzeugen, Werken und Kontingenten und zeigen, wie viel eine optimierte Abfuhr bringen würde.

Danach binden wir das Modell an die bestehenden Systeme an, sei es die Software des Forstbetriebs, des Frächters oder des Werks. Die Disposition erhält tägliche Vorschläge für die Abfuhr und kann bei Störungen schnell neu planen lassen. Den größeren Zusammenhang der Supply-Chain-Planung beschreibt unser Beitrag zur Supply Chain Optimierung.

Frächter, Forst und Werk besser verbinden

In vielen Regionen wird Rundholz von vielen kleinen Frächtern transportiert, die ihre Aufträge von Forstbetrieben, Waldverbänden und Werken bekommen. Die Abstimmung läuft oft noch über Telefon und E-Mail. Welche Waldlager sind abfuhrbereit, welche Kontingente hat das Werk frei, welcher Lkw ist wo unterwegs? Wenn diese Informationen nicht zusammenlaufen, entstehen Leerfahrten und Wartezeiten.

Eine gemeinsame digitale Planungsgrundlage, auf die alle Beteiligten zugreifen, macht die Abfuhr deutlich effizienter. Forstbetriebe melden abfuhrbereite Lager mit Menge und Sortiment, Werke geben ihre Annahmekapazitäten frei, und das Optimierungsmodell verteilt die Aufträge so, dass die Frächter möglichst wenig leer fahren und die dringendsten Lager zuerst geräumt werden. Auch saisonale Einschränkungen wie Tauwettersperren auf Forststraßen lassen sich vorausschauend einplanen, sodass vor einer Sperre gezielt die gefährdeten Lager abgefahren werden. Für die Frächter bedeutet das planbarere Tage, für die Werke eine gleichmäßigere Anlieferung und für die Waldbesitzer eine schnellere Abfuhr ihres Holzes.

Sie möchten Rundholz schneller und günstiger ins Werk bringen? Sprechen Sie mit unserem Mathematikteam. Wir zeigen Ihnen mit Ihren Daten, wo die größten Hebel liegen.

Häufige Fragen

Für wen eignet sich eine optimierte Abfuhrplanung?

Für Sägewerke und Papierwerke mit eigenem Holzeinkauf, für Forstbetriebe und Waldverbände und für Frächter, die viele Holztransporter disponieren.

Kann das Modell die Dringlichkeit bei Schadholz berücksichtigen?

Ja. Befallsrisiko und erwarteter Wertverlust lassen sich je Waldlager bewerten und in die Priorisierung einbeziehen.

Lässt sich die Bahn einbinden?

Ja. Lkw-Abfuhr, Verladebahnhöfe und Zugabfahrten werden gemeinsam geplant, damit Züge voll werden und Lkw nicht warten.

Wie schnell lässt sich die Abfuhr umplanen?

In wenigen Minuten. Wenn ein Werk ein Kontingent ändert oder ein Lkw ausfällt, rechnet das Modell die Abfuhr für alle betroffenen Fahrzeuge neu.

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